Michaeli, ein typisches Waldorf-Fest

Wir feiern Michaeli – ein Fest, das außerhalb der Waldorfschulen und Kindergärten nur wenig bekannt ist. Mir ist das Michaelifest besonders wichtig, seit ich es das erste Mal vor 13 Jahren bewusst miterleben konnte. Damals ist meine große Tochter frisch eingeschult gewesen und mein Sohn in den Waldorfkindergarten gegangen. Bald darauf besuchte ich auch schon das Waldorferziehrerseminar, wo ich intensiv in die Hintergründe des Michaeli-Festes eintauchen konnte. Vieles davon ist auch wieder versunken in meinem Unbewussten. Doch die Faszination für die Michaelskraft in uns Menschen ist geblieben.

Hintergründe des Michaeli – Festes

Es gibt viele Legenden und Erzählungen um den heiligen Erzengel St. Michael. Alle handeln davon, wie Michael mit Mut und der Strahlkraft des reinen Herzens den Drachen besiegt. In der Schöpfungsgeschichte vertreibt St. Michael Luzifer, den gefallenen Engel, aus dem Himmel, nachdem er sich von Macht, Hochmut und Eitelkeit hat verleiten lassen. Und als er mit seinen dunklen Herrscharen verborgen in der Gestalt eines „geschmiedeten“ Drachen versucht, wieder in den Himmel einzubrechen, ist es Erzengel Michael, der den Drachen erneut bezwingt und ihn hinab zur Erde stürzt, wo er seit jeher versucht, den Menschen auf seine Seite zu ziehen und sich gegen das Licht zu wenden … und an dieser Stelle erinnern wir uns zu Michaeli Ende September und bis in den Oktober hinein daran, dass auch wir den Mut und die Lichte Kraft von St. Michael im Herzen tragen. Gerade dann, wenn die Tage wieder kürzer werden und das Licht im Außen schwindet, wird der Drache stark und will uns hinab ziehen in seine Düsternis und Dunkelheit. Doch liegt es bei uns, ob wir uns entscheiden, uns dem Ansinnen des Drachen mutig und lichtvoll entgegen zu stellen und mit St. Michaels Kraft und Schwert an unserer Seite auch in Zeiten der Dunkelheit dem Lichte dienen.

Michaeli mit Kindern feiern

Dem jungen Kind erzählen wir noch nicht von unseren „erwachsenen“ Gedanken zu Michaeli. Wir bedienen uns der Fabeln und Legenden und ab dem Schulalter auch den Nacherzählungen aus der Offenbarung des Johannes, um die Stärke, den Mut und das Licht in unseren Kindern und uns selbst jedes Jahr neu zu entfachen und „am Brennen zu halten“.

Dafür gibt es ganz wunderbare Bücher, in denen auch noch zahlreiche andere Erzählungen rund um die Jahresfeste und Legenden der Heiligen zu finden sind. Besonders die Erzählungen von meinen Lieblingsautoren Georg Dreißig und Jakob Streit möchte ich wärmstens empfehlen. Im Anschluss an den Artikel folgen einige Links zu meinen persönlichen Favoriten, die auch von unseren Kindern sehr gern gehört und gelesen werden.

Praktische Tätigkeiten zur Michaelizeit

Die Michaelizeit eignet sich besonders, um die ersten Drachen in den aufkommenden Herbstwind steigen zu lassen. Symbolisch passt das gut zum Fest, weil St. Michael den Drachen gebannt hat und wir den Drachen bannen können, indem wir die Schnur unseres Flugdrachen schön straff halten. Wir können ihn im Wind tanzen lassen.

Die gesamte Michaelizeit sind alle Aktivitäten passend, wo wir, bzw. unsere Kinder „mutig sein müssen“. Balancieren, Klettern und kleine, selbst gewählte Herausforderungen bestehen. Auch Dinge tun, die uns aus ändern Gründen (Selbst)Überwindung kosten, können wir gezielt angehen und dafür gemeinsam um die Unterstützung St. Michaels bitten. Auch Erzählungen über Gut und Böse, liebevolle und weniger liebevolle Handlungen finden hier einen guten Platz. Immer wieder geht es auch um die menschliche Fähigkeit, sich zu entscheiden.

Es gibt viele schöne Michaelilieder für die unterschiedlichen Altersstufen. Wer gern selbst mit den Kindern singen möchte, findet auf der Website https://www.waldorfschoolsongs.com viele Texte, Noten und sogar Melodien.

Diese Lieder können täglich angestimmt werden.

Als unsere Kinder überwiegend im Kindergartenalter waren, haben wir meist folgendes Lied angestimmt, dessen vollständiger Text mit Noten im Jahreszeitenbuch (Link unten) steht.

„Wenn der frische Herbstwind weht, geh ich auf die Felder, schicke meinen Drachen hoch, über alle Wälder …“

und der Waldorfkindergarten-Dauerbrenner natürlich

„Wenn ich groß bin, wenn ich groß bin, so groß wie die Welt, dann werd ich ein Ritter, ein Ritter und Held …“

Manche Familien wünschen sich, Waldorfpädagogik in ihren Alltag einfließen lassen zu können, obwohl sie noch keinen Weg in eine Waldorfschule oder Kindergarten finden konnten. Hier kann ich das Jahreszeitenbuch sehr empfehlen. Es ermöglicht gerade mit jüngeren Kindern bewusst und aktiv das ganze Jahr mit seinem Festeskreis zu gestalten und ist liebevoll und überschaubar gehalten.

Eine weitere sehr schöne Möglichkeit, sich im Alltag mit Waldorfpädagogischen Schätzen unterstützen zu lassen, ist das Abonnement der Kinderzeitschrift Vorhang Auf, die ich in einem älteren Artikel vorgestellt habe.

Vorhang Auf – Zeitschrift für Kinder

Hier nun alle Links zu meinen wichtigsten Buchbegleitern der letzten 14 Jahre:

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