Ungeborene Seelen

Der Begriff „Ungeborene Seelen“ bezieht sich auf Fehlgeburten und Abtreibungen. In der systemischen Aufstellungsarbeit begegnen wir oft „ungeborenen Seelen“. Nicht deshalb, weil sie irgendwelche geheimen Mächte über uns und unser Leben haben, sondern weil Trauer und Schmerz von den Angehörigen, besonder den Eltern, nicht angeschaut und verarbeitet wurden und diese Seelen keinen gesunden Platz im Familiensystem erhalten haben. Gesund bedeutet hier auch für die lebenden Geschwister und Enkel.

Mögliche Anlässe für eine Aufstellung, in der eine ungeborene Seele eine wichtige Rolle spielen kann(!), sind,

  • Fehlender Lebensmut
  • Antriebsschwäche
  • Eifersucht und Erbschaftsstreit unter Geschwistern
  • Wiederkehrende Fehlgeburten und Unfruchtbarkeit bei Frauen, für die es keine medizinischen Ursachen gibt
  • Das eigene Leben „nicht auf die Reihe bekommen“

In diesen Zusammenhängen haben sich nachfolgende Angehörige in einer ungesunden Weise mit der ungeborenen Seele verknüpft. „Sie können ihr Leben nicht richtig nehmen.“ Findet jedoch innerhalb des Familiensystems eine gute Lösung statt, ist eine tiefgreifende Veränderung möglich und das eigene Leben kann nun bewusster und freudvoller erfahren und selbst gestaltet werden.

Esoterische und religiöse Betrachtungen

Für die Verarbeitung der Erfahrung, ein Kind zu verlieren – egal, ob durch Abtreibung oder Fehlgeburt – sind folgende religöse und esoterischen Betrachtungen für mich ungeeignet:
  • Die Seele sucht sich ihre Eltern aus (das kann sein, aber wirklich beweisen kann es niemand, oder?)
  • Die Seele wollte diese Erfahrung machen (Sind Eltern weniger traurig, ein Kind zu verlieren, nur, weil es diese Erfahrung machen wollte?)
  • Die Seele der Mutter und des Vaters musste diese Erfahrung machen.
  • Das ist ihr Karma (im Sinne von Schuld abtragen)

 

Was passiert mit der ungeborenen Seele bei einer Abtreibung?

Eine allgemeine Antwort gibt es für mich nicht.

Ich persönlich finde es sehr vermessen zu sagen, die Seele hätte sich das ausgesucht, oder die Eltern hätten was zu lernen. Wir lernen aus allen Erfahrungen in unserem Leben. Nicht jede muss man machen …

Da ich eine eigene Erfahrung dazu habe, teile ich sie hier mit Euch:

Ein Jahr nach der Trennung vom Vater meiner beiden erstgeborenen Kinder bin ich nach drei Monaten Partnerschaft mit meinem heutigen Ehemann schwanger geworden.

Abtreibung war für mich NIE eine Option vorher. Ich hatte sogar Urteile darüber, dass man dies als Frau nicht tun dürfe. Doch jetzt war ich selbst in eine Lebenssituation geraten, die mich zum Umdenken zwang. Ich war noch nicht bereit für eine Zweitfamilie und mein neuer Partner auch nicht. Ich hatte bereits zwei Kinder, für die ich verantwortlich war und diesen beiden Kindern wollte ich gerecht werden können.

Ich wollte das Kind nicht abtreiben – eigentlich.

Doch ich hatte ein schwer krankes Kleinkind zu versorgen und eine dreijährige Tochter, die durch die Krankheit des kleinen Bruders ohnehin schon viel zu sehr zurück stecken musste. Ich hatte fast nur schlaflose Nächte zu der Zeit und kaum Kraft und es war klar, dass das kein vorrübergehender Zustand war. Ich entschied mich unter absolut seelischen Schmerzen gegen dieses Kind und leitete eine Abtreibung in die Wege. Ich sprach in den Tagen zuvor mit diesem Kind. Ich sagte ihm, dass es bitte später wieder kommen soll, wenn es dann noch mag, wenn mehr Raum und mehr Kraft da ist. Dabei fühlte ich mich hundeelend.

Es hatte mir nichts genutzt, dass ich Neale Donald Walsch gelesen hatte oder Osho oder das Buch „Jetzt“. Seele hin, Seele her. Ich fühlte mich als Mörderin und gleichzeitig als Opfer.

Ich spürte auch die bedingungslose Liebe dieses Kindes und weinte bald Tag und Nacht und wusste gleichzeitig, ich würde es nicht schaffen – allein mit einem dritten Kind. Und das glaube ich heute immer noch, wenn ich meine damaligen Lebensumstände anschaue.

Am Tag der Abtreibung, zwei Stunden vorher, hatte ich eine Fehlgeburt … Mein Kind ist selbst gegangen …

Drei Jahre habe ich gebraucht, um das zu verarbeiten, denn es fühlte sich immer noch eine Abtreibung an. Dann kam mein drittes, viertes und fünftes lebendes Kind. Ich wusste immer, dass es nicht dieses Kind ist. Ich fühlte, dass sie ein Mädchen gewesen sein musste und ich war immer mit Jungen schwanger. Auch das wusste ich. Nach dem fünften Kind lies ich meine Tochter noch einmal ganz los.

 – UND wurde wieder sehr plötzlich schwanger. 

Wieder in einer Lebenssituation, in der es nicht wirklich passte, weil mir die Kraft fehlte. Aber noch einmal würde ich dieses Kind nicht weg schicken! Ich wusste, sie ist es. Im Moment der Zeugung spürte ich sie und ich versprach ihr, was auch kommen möge, ich würde ihr das Leben schenken.

Ich war sehr krank in der Schwangerschaft und nur weil ich schwanger war, konnte ich genesen, denn meine Frauenärztin hatte den Schlüssel zu meiner Gesundheit. Sie hätte mich ohne die Schwangerschaft nicht auf dieser Ebene behandeln dürfen und mein Hausarzt hätte mir nicht helfen können, weil er diese Ursache nicht in Erwägung gezogen hatte. Mein Kind hat mir in diesem Augenblick viel mehr geschenkt, als sein eigenes Leben. Meine Tochter hat mir auch mein Leben wieder geschenkt.

Heute ist die Maus dreieinhalb Jahre und sie ist die Liebe selbst.

Wir sind glücklich.

 

Aus dieser Erfahrung habe ich sehr viel gelernt.

Was ich jedoch nicht gelernt habe, ist, 

  • dass es irgendetwas gibt, was ich nicht hätte tun sollen. 
  • Ich habe weder gelernt, Du sollst nicht abtreiben, 
  • noch, Du sollst sicher verhüten, 
  • noch, Kinder suchen sich ihre Eltern aus und umgekehrt. 
  • Auch habe ich nicht daraus gelernt, dass ich irgendeine karmische Schuld abzutragen hätte. Das habe ich am Anfang meines Weges auch mal geglaubt. 

Ich habe gelernt, 

  • Menschen nicht für ihre Handlungen zu verurteilen
  • Menschen in ihren tatsächlichen Lebenszusammenhängen zu erkennen
  • Dankbar zu sein für all die Erfahrungen
  • Mich selbst in meinem Menschsein ganz anzunehmen
  • Loszulassen
  • MEINEN Sinn zu finden in ALLEN meinen Lebenserfahrungen
  • Niemals NIE zu sagen
  • JA zu mir selbst zu sagen
  • Zu trauern und mich zu trauen
  • Mir selbst zu vertrauen und dem Leben zu vertrauen
  • Dass eine Entscheidung gegen das Leben eine Entscheidung für das Leben sein kann – für das eigene Leben
  • Dass jede Erfahrung wertvoll erfahren werden kann,man sie aber trotzdem nicht zwangsläufig machen muss.

 

Ich habe gelernt, Mensch zu sein!

Trotzdem beschäftigt viele Menschen, was nun auf der anderen Seite geschieht.

In Aufstellungen können wir als Stellvertreter für körperlich nicht anwesende Seelen spüren, dass sie nach wie vor existieren. Es muss da irgendetwas geben, was mehr ist, als unser Körper. Mir ist auch noch niemand begegnet, der es nicht konnte. Trotzdem können wir keine allgemein gültigen Aussagen über das Leben außerhalb unserer aktuellen Wirklichkeitserfahrung treffen. Wir bekommen manchmal Einblicke in diese andere Seite. Viele von uns können auch viel fühlen und wahrnehmen. Ich auch.
Doch je mehr ich wahrnehme und je tiefer meine Einblicke sind, um so bescheidener werde ich in meinem Anspruch, auch nur irgendetwas zu wissen.

Ich möchte Dich einladen, Dich selbst zu fragen, warum Deine Sehnsucht nach Wissen über die andere Seite eigentlich so groß ist. Ja, es ist sicher schön, zu fühlen, dass es da irgendwie weiter geht. Und da bin ich mir auch sicher. Doch was ist mit diesem Leben hier?

  • Wie sehr bist Du bereit, Dich jetzt und heute ganz Deinem irdischen Leben, Deinem MenschSein anzuvertrauen? 
  • Und möchtest Du wirklich von der anderen Seite Regeln aufgestellt bekommen, ob Du nun abtreiben darfst oder nicht? 
  • Was machst Du, wenn Du auf einmal in eine Situation kommst, in der Du andere wichtige Werte in Deinem Leben verraten müsstest, um dieser Regel gerecht zu werden?

Ich habe noch eine weitere Erfahrung zu Leben, Tod und Geburt, die ich in diesem Rahmen mit Dir teilen möchte.

Als ich mit meinen Zwillingen schwanger war (Es war die sechste Schwangerschaft und die fünfte Geburt), habe ich am 13. Tag nach der Zeugung einen Spaziergang mit meinem Mann im Wald gemacht. Ich wusste schon, dass ich schwanger bin, denn ich hatte den Moment der Zeugung wieder bewusst erlebt und auch die Tage davor, die Anwesenheit einer Seele gespürt, die einen Platz in unserer Familie finden wollte. Wir hatten beide JA zu einem fünften Kind gesagt.

Ich spürte eine große Aufregung in mir. Und als ich hinfühlte, wusste ich, es sind Zwillinge. Das war der Moment der Teilung, denn es waren Zwillinge in einer Fruchtblase. Vier Wochen später hat der Ultraschall die Zwillingsschwangerschaft bestätigt. Da es die fünfte Schwangerschaft war, die meine Ärztin bei mir begleitete, wunderte sie sich nicht, dass ich vorher gesagt habe, es seien diesmal Zwillinge.  So war ich dann sechs weitere Wochen glücklich mit Zwillingen schwanger.

Dann wachte ich eines Nachts auf, weil „ein Kind in mir weinte“. Es weinte ganz furchtbar … Ich fragte in mir, was los sei und „sah“ zeitgleich, wie sich eine Seele zurück zog und „ins Licht ging“. Ich weinte mit meinem ungeborenen Kind und spürte, wie von der anderen Seele ganz viel Liebe und Mitgefühl ausging. Ich wusste, nun war ein Kind gestorben.

Von diesem Augenblick an war mir klar, dass nun die kleine Erdenhülle gemeinsam mit meinem lebenden Kind in einer Fruchtblase in meinem Bauch war und das bis zum Ende der Schwangerschaft so bleiben würde.

Nie habe ich mehr darüber gelernt, wie nahe Leben und Tod zusammen gehören. Wir haben den kleinen Körper, der in die Plazenta eingewachsen war, aber noch immer sichtbar, beerdigt unter einem Baum. Noch heute spricht mein Sohn mit fünf Jahren davon, dass Joshua zu ihm gehört und immer da ist. Trotzdem ist er auch ganz woanders.

Wir wissen gar nichts über das Leben nach dem Tod und vor der Geburt. Selbst diese Einblicke erlauben mir nur, mein Nichtwissen anzunehmen und anzuerkennen – und dankbar zu sein, wie diese menschliche Erfahrung, die ich gemeinsam mit anderen Seelen machen darf.

Dadurch, dass wir unser MenschSein ganz annehmen und uns wirklich auf das Leben hier auf dieser Erde mit allen Facetten einlassen, können wir uns als spirituelle Wesen erfahren. 

Systemisch gesehen gehören ungeborene Seelen ab dem Augenblick der Zeugung zum Familiensystem. Genauso, wie eine Mutter ab dem Zeitpunkt, wo sie empfangen hat, Mutter ist. Mutterschaft beginnt mit der Zeugung. Vielleicht sogar einen winzigen Augenblick eher. 

Ich begleite Dich mit Familienstellen auch, wenn ungeborene Seelen in Deinem Leben oder Deinem Familiensystem einen Rolle spielen und Du eine individuelle Integration Deiner Erfahrungen erreichen willst. Eine Integration, die Dir und Deinem Leben gerecht wird. Eine Integration, die Deinen Ansichten über diese Welt gerecht wird und Deinen Glauben berücksichtigt. – Damit Du Dein Leben ganz annehmen und lieben kannst. Nur dann bist Du auch frei, neue und andere Entscheidungen zu treffen. In Aufstellungen kannst Du direkt selbst erleben, wie es der ungeborenen Seele wirklich geht. Und das ist eine große Erleichterung … Versprochen.

BeLove❤️ Frei für Dein Leben

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