Stiefmutter – ein harter Job!

Das Leben als Stiefmutter kann wirklich hart sein. Warum es sich oft so anfühlt, als bekäme man als neue Frau in der Familie kein Bein auf den Boden, dafür gibt es gute Gründe. Ein Blick ins Familiensystem zeigt, was hier Beachtung finden muss. In einer Patchworkfamilien kommt es zu Verschiebungen in der Vorrangstellung. 

 

Die Vorrangstellung der Kinder

Die Vorrangstellung der Kinder vor der Stiefmutter bedeutet nicht, dass irgendeiner im Familiensystem weniger wert ist oder gar benachteiligt oder bevorzugt behandelt werden sollte. Die Vorrangstellung kommt einfach in der zeitlichen Abfolge der Systemzugehörigkeit zum Ausdruck.

Normalerweise tun sich zwei Erwachsene zusammen und beschließen – mehr oder weniger bewusst – Eltern zu werden. Es waren die Eltern und Beziehungspartner vor den Kindern da und wenn es Auseinandersetzungen gibt, wissen die Eltern in der Regel schon ein bisschen voneinander und Konflikte werden nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten im Familiensystem geklärt. Das ist sehr unterschiedlich und hat viel damit zu tun, welche Position die Elternteile zueinander haben und wie achtsam und würdevoll sie sich und ihren Kinder begegnen. Sehr selten kommt es in diesen Beziehungssystemen zu Loyalitätskonflikten eines Elternteils zwischen Ehepartner/Elternteil und Kindern. Nur bei schwerwiegenden und sehr ungerechten Auseinandersetzungen sieht sich ein Elternteil gezwungen, sich auf die Seite der Kinder zu schlagen und gegen den anderen Elternteil zu agieren. Die Ehe / Partnerschaft ist bedroht. Bei geringfügigen Konflikten oder in bewusster Auseinandersetzung finden die Eltern immer einen Weg, auf Erwachsenenebene Konflikte zu lösen und die Kinder wissen, das geht nur unsere Eltern etwas an. Sie fühlen sich nicht bedroht in ihrer Sicherheit.

Die neue Stiefmutter

In Patchworkfamilien sind Kinder vor einem neuen Erwachsenen da.

Das heißt, in Konfliktsituationen zwischen den Erwachsenen, auch bezüglich bereits vorhandener Kinder, kommt der leibliche Elternteil leichter in einen Loyalitätskonflikt. Oft fühlen sich betroffene Eltern ihren Kindern gegenüber schuldig, weil sie ihnen bereits die „heile Familie“ genommen haben und nun wollen sie dafür sorgen, nicht auch noch selbst für ihre Kinder verloren zu gehen. Deswegen ist das Zusammenleben und das Austragen von Konflikten in Patchworkfamilien oft auch ungleich schwerer.

Eine Stiefmutter, die gern Lösungen für ihr Zusammenleben mit den neuen Stiefkindern finden will, sich oft abgelehnt und angegriffen fühlt, was so auch tatsächlich stattfinden kann, hat es schwer. Warum? Weil sie erst NACH den Kindern ins System gekommen ist. Die Kinder haben tatsächlich Vorrang, sobald es um Loyalität und Zugehörigkeit geht. Das habe ich nicht erfunden. Das kann man in Aufstellungen sehen. Und im Grunde finde ich es in soweit gerecht, weil die Kinder tatsächlich das schwächste Glied in der Beziehungs-Kette sind.

Kinder können ihre Ängste und Befürchtungen oft schlecht verbalisieren. Je nach Alter und Umständen der elterlichen Trennung brauchen sie sehr viele Jahre, bis sich wieder ein Gefühl von Verlässlichkeit und Sicherheit einstellt.

Als Stiefmutter, die nun ihre neuen Beziehungen gern freudvoll oder wenigstens friedlich erfahren will, kann schnell zur Zielscheibe der Kinder werden. An ihr können sie relativ gefahrlos ihren Frust ablassen und zum Ausdruck bringen, dass etwas nicht stimmt für sie.

⚠️ Wichtiger noch, als die Vorrangstellung, ist der bewusste und lösende Umgang mit der vorangegangenen Beziehung auf Elternebene.

 

Das Problem existiert VOR der Stiefmutter

Leider ist in den seltensten Fällen tatsächlich die Stiefmutter Problemauslöser. Sie ist in ein Beziehungsgefüge eingetreten, in dem es bereits ein Problem gab, was sozusagen heimatlos war, weil sich die Problem-Verantwortlichen noch nicht in der Lage gesehen haben, eine Lösung zu finden und die Konfliktsituation zu einem guten Abschluss zu bringen.

In Familienaufstellungen sieht das so aus, dass sich so ein Problem recht heimatlos durch die Gegend bewegen kann und wenn man eine Person dafür aufstellt, wird es in der Regel zwischen zwei Erwachsenen (Elternteilen) hin und her geschoben, oder es hat sich bereits an die Kinder geheftet, die offensichtlich damit überfordert sind.

Sobald ein neuer Erwachsener das System betritt, sehen halbwegs seelisch gesunde Kinder eine Chance, sich von dieser Überlastung zu befreien.

 

Die Stiefmutter bekommt das Problem zugeschoben

Aus Sicht der Kinder ist das erst einmal ein Segen. Deswegen kann es gut sein, dass sie sich mächtig über die Stiefmutter und ihre vermeintliche Unfähigkeit und Ungerechtigkeit auslassen. Gerade Frauen haben auf Grund ihrer angeborenen Mutterinstinkte auch das große Bedürfnis, diesen Kindern gerecht zu werden. Sie fühlen, dass sie schon genug zu tragen haben und sind bereit, zu neuen Lösungen beizutragen. Doch hier kommen ganz schnell die Grenzen ihrer Möglichkeiten zutage, denn auch sie sind nicht in der Lage, die Beziehungskonflikte zwischen den Leiblichen Eltern zu lösen oder auch nur zu kompensieren – was sowieso immer auf Kosten der neuen Beziehung geht.

Lösung – die leiblichen Eltern

Die leiblichen Eltern, oder wenigstens ein Elternteil, muss beginnen, die eigenen Kinder aus der Überverantwortung zu entlassen, indem er sich bewusst mit dem verbliebenen Schmerz, den nicht ausgesprochenen Vorwürfen und dem eigenen Scheitern auseinander setzt. Der leibliche Elternteil muss sich aktiv mit dem Beziehungs-Problem in einer annehmenden und heilsamen Weise auseinander setzen. Verurteilungen und Schuldzuweisung führen zu einer erneuten Überlastung der eigenen Kinder und sollten unbedingt angeschaut und abgebaut werden. Auch für das Gelingen der neuen Partnerschaft ist ein gesunder Umgang mit der alten Beziehung und der Tatsache, dass man IMMER gemeinsam Eltern bleiben wird, notwendig.

Als Stiefmutter kann man Gesprächspartner sein und die eigenen Grenzen im Zusammenleben mit den Kindern bewusst zu kommunizieren und mit ihnen in Beziehung zu gehen, soweit das möglich ist. Man kann eine Familienaufstellung machen und eine gesündere Position einnehmen und eine Menge Klarheit über die eigenen Möglichkeiten und auch die eigene Ohnmacht gewinnen, was durchaus entlastend sein kann.

Wichtig ist auch, ein gesundes Selbstwertgefühl zu erschaffen, um dem eigenen Partner gegenüber gut kommunizieren zu können, was es für ein glückliches und erfülltes Zusammenleben auch von ihm braucht. Nämlich seine bisherigen Beziehungen aufzuräumen und Verantwortung für die eigenen Konflikte zu übernehmen, die schon vor der neuen Frau/Partnerin im System rumgeisterten.

 

Verantwortung heilt

Sobald die Verantwortung für die elterlichen Konflikte wieder ganz bewusst von den Erwachsenen getragen wird, können sich Stiefelternteil und Kinder neu begegnen und eine ganz eigene und positive Beziehung zueinander aufbauen. Der Stiefelternteil muss nun nicht mehr als Projektionsfläche für sämtliche ungelöste Probleme herhalten.

 

Empfehlung

Eine Familienaufstellung bringt sofort sichtbare Klarheit darüber, welches Familienmitglied sich auf einer Position befindet, die für alle Systemmitglieder ungünstige und sogar emotional und seelisch ungesunde Auswirkungen hat.

 

Telefonisch und im Videochat ist systemische Beratung möglich. Telefonische Erstauskunft und individuelles Angebot sind unverbindlich und kostenfrei. 

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