Eigene Themen in der Familienaufstellung

Am letzten Aufstellungssamstag hatte mein Sohn eine eigene Familienaufstellung. Soweit so gut. Da die väterliche Seite relevant war und meine älteste Tochter ebenfalls den gleichen Vater hat und – wie nahezu immer – als Stellvertreterin mit dabei war, lud ich sie ein, sich ebenfalls in das schon fast ganz gelöste Feld zu stellen, als Schwester und Tochter. Auf ihren eigene Platz. Mir schien es naheliegend, dass sie von der guten Kraft ebenfalls genährt werden dürfte. Doch mein Plan oder besser, meine Idee, ging nicht auf. Meine Tochter ging sofort für mich sichtbar in Resonanz mit einer problematischen Position im Familiensystem, die für die ursprüngliche Lösung keine Rolle spielte. Gleichzeitig ging es ihr sichtbar schlecht. Was nun? Eine dritte Aufstellung war an dem Tag nicht vorgesehen und auch das Herausnehmen aus der Aufstellung war nicht ohne Folgen möglich.

Schweren Herzens fragte ich, nachdem in Ruhe für den Bruder, meinen Sohn, die Aufstellung ganz zu Ende gebracht wurde, die anderen anwesenden Personen, ob sowohl Kraft- als auch zeitmäßig noch eine Aufstellung drin sei …

Auf der Suche nach dem roten Faden

Ja und dann war es eben so, dass nur dieses ungute Gefühl war, ein Schmerz, den sie wohl schon sehr lange kannte … Solange sie denken kann. Kein roter Faden, kein Hinweis auf irgendwas. Nur die Tatsache, dass sie, sobald sie ins Familiensystem gestellt war, eine Schmerzlawine über sie hinweg rollte … Solche unklaren Themen überlasse ich prinzipiell auch gern einem Kollegen von mir, wenn es meine eigenen Kinder betrifft. Doch nun war das Kind in den Brunnen gefallen und eine Lösung musste her. Mindestens eine, die ihr ein angenehmeres Körper- und Seelengefühl ermöglichte.

Und das war erst einmal echtes Rätselraten. Im väterlichen System ließ sich die Resonanz mit dem ersten Platz schon einmal nicht wieder herstellen, was normalerweise der Fall ist. Auch mich als Leiterin hatte das irritiert, dachte ich doch, es wäre schon klar, wo der Faden ist. Nun sah es so aus, dass meine Tochter mit jedem problematischen Zusammenhang, den sie nur finden konnte, in Resonanz ging.

Von den Stellvertretern im System kam aber das Feedback:

„Das geht Dich nichts an, damit komme ich allein zurecht!“

Diese Aussage aus dem System war sehr schmerzhaft für meine Tochter, denn eine innere Welt brach damit zusammen.

„Ich weiß nicht, was mein Leben für einen Sinn haben soll, wenn mich niemand (für die Lösung seiner Probleme) wirklich braucht!“

An dieser Stelle verstand ich endlich, worum es ging. Für mich hieß das:

„Alles rausnehmen, die aktuelle Aufstellung aufheben und bei Null anfangen!“

Jetzt wusste ich endlich, was sie wirklich fühlt und entschied, eine vorgeburtliche Situation aufzustellen, um sie mit ihrem Inneren Seelenwissen in Kontakt zu bringen. Und genau das geschah dann auch. Noch mit großem Widerstand anfangs, doch dann immer weicher und klarer. Sie erinnerte sich in diesem Zusammenhang selbst daran, warum sie eigentlich hierher gekommen ist. Dass es für sie darum geht, aus sich selbst heraus Freude am Sein zu empfinden und um ihrer Selbst Willen zu leben.

Die Resonanz mit den zahlreichen komplizierten Plätzen im Familiensystem zuvor erklärte sich nun so, dass sie als Seele dachte:

 „Nur, wenn ich für andere Seelen ihre Probleme auf mich nehme und löse, hat mein Sein einen Sinn.“

In einem solchen Fall ist es nicht gleich so einfach zu erkennen, dass die eigentliche Lösung außerhalb des Familiensystems liegt, weil ja so viele gute Gründe in unseren Familienzusammenhängen gefunden werden können, warum es uns schlecht geht. Auch ich habe einen Augenblick gebraucht, um es klar zu sehen.

Und trotzdem ist die gute Nachricht, dass auch solche „mitgebrachten Lebensthemen“ in einer Aufstellungsarbeit erkannt und gelöst werden können. Zugegeben, bei meiner eigenen Tochter hat es mich ziemlich Nerven gekostet, weil es mir sehr weh tat, ihren Schmerz so stark zu fühlen, nachdem er auf einmal so präsent im Raum stand. Gleichzeitig bin ich ihr für diesen Weckruf sehr, sehr dankbar. Und ich freue mich mit ihr darüber, dass sie in so jungen Jahren bereits so klar wissen kann, was für sie im Leben wirklich wichtig ist.

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