Liebe ist …

Liebe ist einfach, schrieb ein Kommentator als Antwort auf meinen Kommentar zu einem Post auf Facebook. Ich hatte geschrieben, dass Liebe auch in religiösen Zusammenhängen möglich sei und nicht nur dem Seinszustand der allumfassenden Liebe des Universums vorbehalten. Und im täglichen Leben … Liebe ist für mich so viel mehr als ein Seinszustand, der nichts tut, nichts will und nichts vermag …

Klingt kryptisch? Ist es wahrscheinlich auch.

Heute mache ich mir hier meine eigenen Gedanken zur Liebe, … denn Liebe ist dein Basis all unseres Handelns. Liebe ist die Quelle, der Sinn, der Halt und die Zuversicht. Und Liebe nährt diejenigen, die lieben, genauso, wie die Geliebten.

Ich kenne die Liebe einer Mutter, weil ich Mutter bin.

Als Mutter war ich die letzten Wochen gefordert, denn meine sechs Kider hatten Windpocken. Mehr als drei Wochen lang … Zeitweise ging es ihnen  sehr schlecht und der Schlafmangel sitzt mir auch heute noch in den Knochen. Gleichzeitig hatte ich einen jungen Menschen für eineinhalb Wochen spontan bei uns aufgenommen, der mir sehr am Herzen liegt und eine Bleibe brauchte. Er hatte schon Windpocken.

ABER ich wurde immer unzufriedener im Laufe der Tage, denn die Windpocken meiner Kinder fraßen meine gesamte Aufmerksamkeit. Sie banden mich ans Haus und zugleich war noch mein geliebtes Pferd krank, diverse Rechnungen nicht bezahlt, die Waschmaschine kaputt und das Auto musste repariert werden. Nebenbei wollten eigentlich diverse Gegenstände besorgt werden, da einer unserer Söhne übermorgen mit seiner Schulklasse auf Abenteuer geht.

Im Gespräch mit einer lieben Bekannten, die auch Pfarrerin unserer Gemeinde ist, fragte sie mich, wie ich das eigentlich alles schaffe. Und ich sagte: „Ich bin Steinbock mit Löwe im Aszendenten! Pure Willenskraft.“

Aber das stimmt nicht …. Willenskraft allein hätte niemals dafür gereicht.

 

NICHTS konnte ich so erfüllen, wie ich es von mir erwartete.

  • Ich wollte meinen Kindern vorlesen, aber mir fielen die Augen dabei zu.
  • Ich wollte unserem Gast was bieten – Ausflüge, leckeres Essen, Kuchen, Zeit für Gespräche? – Nichts davon …
  • Ich wollte den Haushalt sauber und ordentlich haben, weil ich auch Ordnung liebe … ohne Worte, echt jetzt.
  • Ich wollte fröhlich und freundlich sein, dass meine Liebe auch im Außen sichtbar sei.

Stattdessen wurde ich übel gelaunt – fast depressiv – und der äußerlich sichtbare Ausdruck meiner Liebe wirkte wohl eher gestresst, müde und traurig ….

Und trotzdem habe ich die ganze Zeit geliebt! Denn nichts von allem hätte ich getan, wenn keine Liebe in meinem Herzen geflossen wäre.

  • Liebe hat mich veranlasst, meine Kinder zu trösten, ihre Windpocken zu betupfen, auch mit wenig Geld etwas zu Essen zu bereiten.
  • Liebe hat mich dazu gebracht, zwei bis drei Mal am Tag zu meinem Pferd zu fahren und seine Wunde und Entzündung zu versorgen.
  • Liebe hat mir die Kraft gegeben, eine ganze Woche die Wäsche einer achtköpfigen Familie in der Badewanne mit Hand zu waschen und die jeweils gesunden Kinder haben sie mit mir ausgewrungen.
  • Liebe ist es gewesen, die sofort den jungen Menschen aufgenommen hat, bis er weiterreisen konnte.
  • Liebe hat mich nachts klaglos aufstehen lassen, um meine Kinder in feuchte Tücher zu wickeln, um den Juckreiz zu lindern oder sie aufs Klo zu begleiten, weil sie sich nicht auf den Beinen halten konnten.

Meine Liebe war oberflächlich wohl wenig spürbar. Tagsüber war ich oft verschlossen, gereizt und sehnte mich nach ein paar freien und erholsamen Tagen.  Und auch dieser Wunsch ist Liebe. Selbstliebe.

Ich kenne die Liebe einer Tochter, weil ich selbst eine bin.

Als Tochter meiner Eltern habe ich geliebt, wie jedes Kind seine Eltern liebt. Bedingungslos, grenzenlos, ohne Rücksicht auf mich selbst und meine damaligen Bedürfnisse. Die Liebe zu den Eltern ist angeboren und blind. Erst mit dem Erwachen des eigenen ICH, der Individualität, entwickeln wir Unterscheidungsvermögen und die Fähigkeit, unsere Eltern als normale Menschen statt als Götter zu sehen. Und während dieser Aufwachphase für uns selbst entscheiden wir uns, ob unsere Eltern Menschen sein dürfen und wir nun selbst für uns sorgen lernen, oder ob wir ihnen ein Leben lang böse sein werden, weil sie keine Götter sind. Dann ist immer noch Liebe zu unseren Eltern vorhanden. Wenn auch enttäuschte Liebe …

Ich kenne die Liebe zur Natur.

Zu den Blumen und Bäumen, zum Himmel, zu Sonne, Mond und Sternen, zu Schmetterlingen, Wind und Regen, zu Felsen, Bergen und Tälern fühle ich eine eigene Liebe. Eine Liebe, die vor allem Dankbarkeit zum Ausdruck bringt für alles, was ist. In meiner Liebe zur Natur fällt es mir leicht, an etwas Großes zu glauben, an eine Kraft, die Himmel und Erde gemacht hat und die auch mich selbst hervorbringt. Immer wieder stehe ich staunend unter einer alten Kiefer oder schaue den Bienen zu, wie sie in großer Zahl die blühende Linde bevölkern. Ich vergesse die Zeit (und die nasse Wäsche in der Maschine), wenn die Blätter des Bergahorns einen zauberhaften Tanz im Sommerwind mit Licht und Schatten über mir aufführen und ich spüre, wie meine Seele darin baden möchte.

Es gibt so unendlich viele Situationen, in denen Liebe alltäglich IST. Ganz bestimmt fallen Dir welche ein und wenn Du Lust hast, teile sie in den Kommentaren mit mir und anderen Lesern. Liebe darf alltäglich sein.

Alltagsliebe eingefangen von der Familienfotografin Julia Erz

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