Persönliche Betroffenheit in der Kommunikation

„Ist da jemand?“ Oder „Siehst Du mich?“
Diese Frage stellen viele Kinder tagtäglich ihren Eltern, Lehrern und Erziehern. 
Kinder wollen wissen, ob hinter all den Regeln und Aufgaben, Herausforderungen und Forderungen jemand wohnt. Immer wieder erlebe ich erwachsene Personen, die in der Kommunikation mit MEINEN Kinder scheitern. Und leider nicht nur mit meinen Kindern. Da gibt es ganz viele Kinder, die ebenfalls herausforderndes Verhalten an den Tag legen, weil sie auf der Suche sind nach einem Gegenüber, nach persönlicher Begegnung …

 

Herausforderndes Verhalten bei Kindern

Herausforderndes Verhalten bei Kindern wird immer noch als fehlende Bereitschaft verstanden, sich an Regeln zu halten. Betreffenden Kindern wird mangelnde Empathiefähigkeit unterstellt und unsoziales Verhalten attestiert. Was dabei regelmäßig übersehen wird, ist, dass die Kinder eigentlich auf der Suche sind, nach dem Menschen HINTER den Regeln. Sie wollen wissen, ob da jemand ist, für den es einen Unterschied macht, ob sie sich an die Regeln halten oder nicht.
Sie wollen das Gegenüber spüren und in Beziehung sein!

 

Regelwerke sind unpersönlich und beziehungslos

Ein Lehrer, den ich sehr schätze, fragte mich, warum es meinem Sohn so schwer fallen könnte, sich an Regeln zu halten.

Meine Antwort war, weil er nicht spüren kann, ob da jemand hinter ist. Ihm fehlt die Beziehung in den ganzen „Das darf man nicht“-Sätzen. Er gehört zu den Kindern, die nicht bereit sind, sich für unpersönliche Verhaltensvorschriften einzuschränken. Wenn er aber spüren kann, dass die Regeln eine Verbindung zu seinen Mitmenschen haben, fällt es ihm kaum noch schwer, dazu beizutragen, dass es seinen Mitmenschen gut geht. Kinder mit besonders herausfordernden Verhaltensweisen SUCHEN die Beziehung und wirkliche Begegnung.

Kommuniziert ein Erwachsener jetzt NUR seinen Ärger und zählt das Fehlverhalten auf, weist auf bestehende Regelwerke hin und droht mit einem Maßnahmenkatalog, bleiben betreffende Kinder in ihrer ablehnenden und verweigernden Haltung.

Sie lassen sich nicht bedrohen oder einschüchtern.

Diese ärgerliche Regel-Maßnahmen-Konfrontation können wir an Schulen und Kitas tagtäglich wahrnehmen. Und leider kommt nie etwas Gutes dabei heraus. Im Gegenteil. Die Situation verschlimmert sich für Kinder wie Erwachsene.

Verstecken sich Lehrer, Pädagogen und Eltern hinter einem Regelwerk und sprechen nur davon, was MAN macht oder nicht macht, können diese Kinder sich selbst nicht in Beziehung zu ihrem Handeln setzen und folglich ihr Verhalten auch nicht ändern.

Viele junge Menschen und Kinder wollen genau dieses GEGENÜBER spüren. Sie wollen wissen, ob ihnen da ein Mensch oder nur ein unpersönliches Regelwerk gegenüber sitzt. Wird nur das Regelwerk kommuniziert, haben die Kinder und jungen Menschen keinen Grund, damit achtsam umzugehen? Ein Regelwerk ist nie selbst betroffen. Es fühlt nicht …

Persönliche Betroffenheit zeigen

Wenn Erwachsene lernen, ihre persönliche Betroffenheit zu spüren und zu zeigen, sieht die Sache ganz anders aus. Sobald solche herausfordernden Kinder spüren, „Da ist jemand zuhause. Diesem jemand ist nicht egal, was ich tue und mein Verhalten kann diesem Menschen Freude und Leid zufügen.“, ändern die meisten betreffenden Kinder ihr Verhalten, weil sie nämlich keineswegs empathielos sind.
Sie sind so sehr im Fühlen, dass sie gar nichts anders können, als solange Reaktionen zu provozieren, BIS sie den Menschen dahinter spüren können!
Diese Kinder wollen Dich fühlen als der Mensch, der Du bist. Sie wollen sich verbunden fühlen mit Dir und sehen, dass es Dich wirklich gibt. Dann können sie sich auch selbst spüren und wahrnehmen. 

 
 

Tiergestützte Pädagogik

Dieses starke Bedürfnis, den Menschen dahinter spüren zu können und in Beziehung zu sein, erklärt für mich auch, warum viele besonders herausfordernde Kinder so gut auf tiergestützte Pädagogik ansprechen. Tiere verstecken sich nie hinter einem Regelwerk. Ihre Reaktion ist ehrlich und ihr Schmerz genauso echt, wie ihre Liebe.
Doch frage ich mich, warum wir Menschen das nicht einfach auch so machen und zu einem echten Gegenüber werden für ALLE Kinder. Nicht nur für jene, die nich bereit sind, mit uns zusammen zu arbeiten, solange wir uns mit unseren wahren Empfindungen hinter irgendwelchen Regeln oder Standards verstecken.

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