Hausaufgaben sind Dauerstress – für Schüler und Eltern

Insoweit stimme ich dem Artikel aus der Zeit zu, der mich zu meinem Statement veranlasst hat. 

https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2018-08/hausaufgaben-schule-eltern-kinder-selbststaendigkeit-lernen

Besonders dann, wenn im Elternhaus eine große Sorge um spätere Berufsausbildung und soziale Sicherheit besteht. Dies führt häufig zu enormem Leistungsdruck bei Eltern und Schülern. Und der Haussegen hängt schnell in den Seilen.

Eltern in der Über-Verantwortung

 

Bei der Aussage der Schweizer Forschenden allerdings, stellen sich mir die Nackenhaare auf. (Zitat folgt)

„Ein Team aus deutschen und Schweizer Forschenden beobachtete 1.700 Sechstklässlerinnen und Sechstklässler über ein Jahr lang und kam zu dem Ergebnis: Deutschnoten und Lesefähigkeit waren bei denjenigen, die häufig Hilfe von den Eltern bekamen, schlechter als bei selbstständig arbeitenden Kindern.“

Als sechsfache Mutter habe ich inzwischen ein Kind in Ausbildung, eines in der Berufsfachschule und das sechste wird nun eingeschult. Mit Privatschule (Waldorfschule) und staatlicher Schule bin ich über viele Jahre vertraut – aus Elternsicht. Und eine solche allgemeine Aussage fördert sicher keine besseren Bedingungen für Schüler und Eltern.

Nur die halbe Wahrheit 

Meine beiden ersten Kinder waren ganz in Obhut der jeweiligen Schule. In ihrem Fall eine Waldorfschule. Ein Kind hatte enormen Förderbedarf und wurde heilpädagogisch beschult und bekam von meiner Seite vor allem das Vertrauen mit auf den Weg, dass es sich optimal entwickeln würde. Alles stimmte für dieses Kind. Fördermaßnahmen, Freizeit, Lehrer und Elternhaus. Im Rückblick genauso wie damals eine hervorragende Zusammenarbeit im Sinne des Kindes. Die bereits Früchte getragen hat. Das Kind hat seinen Hauptschulabschluss gemacht und besucht die Berufsfachschule Holz ab Herbst.

Freies Lernen – Mit Ausdauer zum Erfolg

Die Älteste befindet sich im zweiten Lehrjahr und hat sich um alle schulischen Belange immer selbst gekümmert und auch kümmern müssen, da ich viel zu viele jüngere Kinder zu betreuen hatte, um mich noch mit an den Schreibtisch zu setzen. Unser Glück, dass sie es nicht brauchte.

Ohne Hausaufgaben – Alles ganz easy eigentlich?

Hätte ich nur meine beiden ersten Kinder gehabt, hätte ich den Artikel der Zeit (Link) zu 100% unterschreiben können. Ich bin allerdings froh, dass das Leben meinen Blick noch erweitert hat. 

Die beiden nachfolgenden Kinder waren von mir genauso in Obhut ihrer Lehrer gegeben worden, wie meine beiden Ältesten. Diesmal an einer staatlichen Grundschule, weil leider kein Besuch einer Waldorfbeschule möglich war. Ich vertrat zu dem Zeitpunkt noch immer die Ansicht, dass Hausaufgaben entweder überflüssig seien oder wenigstens nur zwischen Schüler und Lehrer eine Rolle spielen sollten. Ich wollte auf keinen Fall ausführendes Organ sein und meine Kinder unter Lerndruck setzen. Interesse an den aktuellen Themen zeigte ich schon. Das finde ich wichtig und es schafft eine Verbindung zwischen Schule und Elternhaus für das Kind.

Leider kam so gar nichts an … weder schulische Erlebnisse, noch Hausaufgaben … Stattdessen war unser Kind wie ausgewechselt. Es wurde aggressiv, verhärtete immer mehr und hatte nach wenigen Wochen eine extreme Schreibblockade entwickelt, die es vier Jahre lang nicht mehr richtig durchbrechen konnte. Mit dem vierten Schulkind war es nicht besser. 

Das Ergebnis, meine Kinder dem schulischen Lernen anzuvertrauen, war, dass beide weder Lesen noch Schreiben lernten. – aus unterschiedlichen Gründen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich noch zwei weitere sehr kleine Kinder und meine Unterstützung bestand in Mut machen und Lehrergespräche führen. Ohne jeden Erfolg. Es war schrecklich. Zwei fröhliche, sensible und wundervolle Kinder wurden hart, verschlossen und vor allem EINSAM.

Schule kann einsam machen …

Wie kann ich mein Kind motivieren?

Change my mind

Nach zwei Jahren habe ich meine Sichtweise geändert und beide Kinder selbst unterrichtet. Erst nur Nachmittags und dann teilweise mit mehrwöchiger Schulbefreiung. In den Wochen, die sie dann mit mir zuhause lernten, haben sie wenigstens die Grundbegriffe des Lesens und Schreibens gelernt. Heute, vier Jahre später, lernt der jüngere Sohn immer noch nicht im schulischen Rahmen. Unabhängig davon, was ich gemeinsam mit seinen Lehrern ausdenke. Zeitweilig hat er vollkommen den Glauben an sich verloren und hielt sich für „zu blöd“. Eine kinderpsychologische Testung dieses Jahr ergab eine Höchstbegabung im Sprachlichen … 

Der Ältere braucht nach wie vor regelmäßige Unterstützung im Lesen und Schreiben, findet sich aber sonst inzwischen besser in der Schule zurecht und geht auch gern hin. Ohne die häusliche Förderung ist es allerdings undenkbar, denn das Lesen und Schreiben fällt ihm so schwer, dass er sich allein nicht überwinden kann. 

Beide Kinder wären Schulversager ohne elterliche Unterstützung und regelmäßiges Lernen zuhause. Und beide würden wohl die Studienbedingungen der Schweizer Forscher s.o. erfüllen, denn beide werden intensiv von uns Eltern unterstützt und beide sind nicht besonders gut im Lesen und Schreiben. …

Was die Studie nicht verrät: Ob die betreffenden Kinder vielleicht überhaupt nicht Lesen und Schreiben könnten, ohne die Unterstützung der Eltern!

Was meine Kinder sagen:

  • Älterer Sohn: Es ist zwar manchmal anstrengend, aber wenigstens kann ich es jetzt.
  • jüngerer Sohn: Dann bin ich wohl doch nicht so blöd, wie ich dachte …

Inzwischen bin ich sehr vorsichtig geworden, wenn ich Studien oder Forschungsergebnisse heranziehe. Letztendlich muss jede Situation im Leben individuell und mit einer gesunden Portion Menschverstand und Herz angeschaut werden.

Das wichtigste überhaupt scheint es mir, die Freude am lernen auch in uns Eltern wieder zu entfachen und diese mit unseren Kindern zu teilen. Egal, ob das bei den Hausaufgaben ist oder in der Natur, beim Soielen oder Kochen, beim Arztbesuch oder beim Blick in den Sternenhimmel.

Erhalte die Lernfreude Deines Kindes!

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