Lernfreude erhalten

Machen Deinem Kind die Schule und das Lernen Spaß?

Die Lernfreude meiner Kinder zu erhalten, war für mich selbstverständlich. ZU selbstverständlich! Ich war mit meinen beiden ältesten Kindern von Schulbeginn an der Waldorfschule. Kurz nach der Einschulung meiner beiden mittleren Kinder in der staatlichen Grundschule kam das böse Erwachen. Die Lernfreude beider Söhne war nach wenigen Wochen weit unterhalb meines Vorstellungsvermögens. Sie waren auf dem besten Wege zum Schulversager. Unvorstellbar eigentlich für mich. Ausgerechnet meine Kinder machten eine so drastisch negative Entwicklung durch. Mein Leben war mit einem weiteren Kleinkind und Baby UND der Notwendigkeit, Vollzeit zu arbeiten, komplett überladen. Einige Zeit schaute ich nur ohnmächtig zu. Ich versuchte die Lehrer von den positiven Vorzügen meiner Kinder zu überzeugen, die immer unsichtbarer wurden, je länger sie an der Schule waren.

 

Lernblockaden und Schulfrust

Inzwischen sind die beiden Jungs in der zweiten und vierten Klasse. Der Viertklässler ist aktuell Förderschüler und wir spüren noch immer die Auswirkungen aus dem schnellen Verlust seiner Lernfreude. Gründe für den Verlust und die dadurch bedingte Verhaltensänderung aus heutiger Sicht:

Er konnte damals nicht annähernd in dem vorgegebenen Tempo UND vor allem mit den normalen Lehrplanmethoden, Lesen und Schreiben lernen. Er ist keineswegs dumm oder lernschwach. Er ist einfach Kinästhet.

Ich weiß erst seit letztem Sommer, was das für ihn wirklich bedeutet hat. Auch der jüngere Sohn ist überwiegend Kinästhet und auditiv veranlagt. Seinen visuellen Kanal – der den Lese- und Schreiblernprozess erheblich vereinfacht – benutzt er von allein nicht. Mit diesem Hintergrundwissen ist heute abzusehen, dass beide Kinder in der Schule vor allem Frustration erfahren. Sie hatten keine Chance auf positives Feedback für ihre Schulleistungen, denn beide Kanäle werden in den staatlichen Grundschulen kaum oder sogar negativ angesprochen. Wer immer wieder hört, er würde sich nicht genug anstrengen, benutzt auch bald den auditiven Kanal nicht mehr. Und alle Kinästheten brauchen gute Gefühle, um einen Zugang zum Schreiben und Lesen zu finden.

 

Lernerfolg braucht „gute“ Gefühle

Die guten Gefühle zu Beginn des Lesen- und Schreibenlernens kommen in erster Linie aus der Beziehung zum Lernbegleiter. Aus dem Leseerfolg können sie ja noch nicht kommen. Lernbegleiter sind sowohl Eltern als auch Pädagogen.

Kindern die Lernfreude zu erhalten, sollte oberstes Gebot in Schulen sein!

Als ich zur Einschulung meines fünften Kindes von seiner Lehrerin gefragt wurde, was ich für Erwartungen und Wünsche hätte, war meine Antwort:

Ich wünsche mir, dass er weiterhin mit Freude lernt. Das Schlimmste, was uns passieren kann, ist, dass er seine Freude am Lernen verliert.

Ich hatte aus den Folgen für meine beiden mittleren Kinder gelernt. Seit Ende Oktober 2016 habe ich den Lese- und Schreiblernprozess meiner Kinder auch in meine Hände genommen. Kind vier war inzwischen nicht mehr bereit, in der Schule mitzuarbeiten. Er war im Lesen und Schreiben komplett abgehängt und drohte, sich ebenfalls zum Förderkind zu entwickeln. Im Sommer 2016 hatte ich von Alexandra Aldinger und Genialico zu den unterschiedlichen Lerntypen gelernt. Ich verknüpfte mein altes Wissen aus der Waldorfpädagogik mit neuem Bewusstsein für unterschiedliche Lernwege und mit meinem Beziehungsbewusstsein aus der systemischen Aufstellungsarbeit.

Ich verstand nun wirklich, was da alles schief gelaufen war.

 

Schulverweigerer & Kommunikation

Kind vier war inzwischen zum Schulverweigerer geworden und ich begann vor vier Monaten mit Hausunterricht.

Ich war fest entschlossen, den beiden mittleren zu zeigen:

  • Du kannst Lesen und Schreiben lernen.
  • Lesen und Schreiben lernen macht Spaß!

Wer ein Kind mit Schulfrust und Lernblockaden hat, kann ahnen, was ich mir da vorgenommen hatte.

 

Die Lernfreude zurück erobern!

Zuerst hatte ich Punkt zwei zu überwinden. Wir mussten es irgendwie schaffen, die Lernfreude zurück zu erobern und erste Erfolge zu erschaffen. Ich erklärte meinen Kindern, dass es mir vollkommen Wumpe ist, ob ihnen jemand gute Noten gibt. Und ich sagte ihnen:

Ich will, dass Du wieder an Dich glaubst! Ich glaube an Dich und an Deine Fähigkeit, Lesen und Schreiben zu lernen. Ich liebe Lesen und Schreiben und ich möchte, dass Du die Chance hast, es auch lieben zu lernen. Deswegen werden wir jetzt gemeinsam jeden Tag unter der Woche extra arbeiten. Ich setze mich mit jedem von Euch einzeln hin und wir werden es schaffen!

Diesen Prozess nenne ich: Dem Kind die eigene Motivation leihen. (Solange, bis es wieder aus sich selbst heraus motiviert ist.)

Inzwischen können beide Kinder lesen. Beide Kinder haben zu Anfang gemurrt und manchmal waren sie sehr frustriert. Doch inzwischen ist kaum noch Frustration da. Kind vier ist wieder auf Klassenniveau und bereit, weiterhin zu investieren. Er freut sich über die vielen richtig geschriebenen Worte im Dikatat und möchte noch besser werden. Für sich selbst!

Kind drei hat es durch die lange Zeit, wo er gelernt hat, „Es nicht zu können!“, deutlich schwerer. Doch auch er hat große Fortschritte gemacht in diesen wenigen Monaten, seit wir gemeinsam und mit positiver Motivation Lesen und Schreiben lernen.

 

Elternaufgabe

Solange in unserem Schulsystem noch nicht angekomen ist, dass Kindern in erster Linie die Lernfreude erhalten werden muss,

solange viele Lehrer noch kein Bewusstsein für die unterschiedlichen Lerntypen haben,

solange Noten noch eine größere Rolle im Schulalltag spielen, als die seelische Gesundheit unserer Kinder,

solange ist es Elternaufgabe, dafür zu sorgen, dass die Lernfreude erhalten bleibt und Schulerfolg keine große Rolle dabei spielen darf.

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