1. Klasse Waldorfschule

Ich bin sehr froh und dankbar, dass unser Töchterchen ihre Schulzeit in einer Waldorfschule beginnen kann. Und ich bin endlich wieder Waldorfmama in der Anfangszeit. So, wie meine beiden Großen, die schon aus der Schule raus sind. Zum Vergleich haben wir dazwischen noch mal drei Kinder wenig begeistert ohne Alternative in die Staatsschule eingeschult … aber das ist eine andere Geschichte.

Märchenhafte Anfangszeit

Meine Tochter kommt NICHT mit seitenweise Arbeitsblättern zum Ausfüllen nach Hause und sie wird auch NICHT zu den Herbstferien alle großen und kleinen Buchstaben in der Schule gehabt haben. Es wird auch kaum Kinder geben, die zu Weihnachten Lesen können. Vielleicht können sie es nicht einmal im Jahr darauf. Und es wird in Ordnung sein. Es darf so sein! 

Nebenbei sei erzählt, kann meine Tochter schon fast alle Buchstaben, weil sie fünf große Geschwister hat und sich nicht aufhalten lässt in ihren Interessen. Auch das stört nicht. Denn in der Schule wird jeder Laut eingebettet in eine Buchstabengeschichte. Überhaupt scheint der Schulalltag voller Geschichten, Lieder und Geschenke zu sein. Denn Waldorflehrer haben die Taschen voll mit Geschenken. Ob Wachsblöckchen, Flöte, Arbeitshefte, neue Lieder oder Erzählstoff, alles wird den Kindern als Geschenk dargeboten und entsprechend dankbar nehmen sie ihre Geschenke in Empfang. Wie bei meinen beiden Erstgeborenen habe ich keine Sorge, dass die Begeisterung meiner Tochter für die Schule und ihre Lehrerin in absehbarer Zeit abflauen könnte. Ganz anders war dies bei meinen mittleren Söhnen, die schon nach wenigen Tagen nicht mehr in die Schule wollten und erst Jahre später, fast zu spät, um noch glücklich zu werden, wieder in der Waldorfpädagogik ihren Platz finden konnten.

Der Tag fängt früh an

Trotz großer Erschöpfung in den ersten Wochen – weil der Schulweg sehr weit ist (43 km einfache Strecke), der Tag sehr lang, das Aufstehen am Morgen sehr früh – liebt meine Tochter es, jeden Tag die Schule zu besuchen. Wie sollte es auch anders sein, wenn jeder Schul-Vormittag in ein ganz besonderes Land führt …

Die Wachsblöckchen von Stockmar beispielsweise, welche anstelle von Bunt- und Bleistift in der Anfangszeit ausschließlich genutzt werden, haben nicht einfach eine breiteste, mittlere und schmale Kante, mit der gemalt und geschrieben werden kann. Sie haben eine Bären- (breiteste Seite), Hunde- und  Katzenpfote und die Ecken heißen Mäuszähnchen. Das ist natürlich von LehrerIn zu LehrerIn etwas anders.

Wesentlicher Unterschied zum sachlich und inhaltlich durchstrukturierten Unterricht an der staatlichen Schule ist, dass der gesamte Unterricht an einer Waldorfschule in seiner Gestaltung einem Kunstwerk gleicht oder sich diesem zumindest anzunähern versucht.

In den ersten Wochen war Formenzeichnen an der Reihe. Da wurden Schleier auf das Blatt gelegt, gerade und gebogenen Linien gemeinsam um ein Feuer platziert, sodass sie sich zu Quadraten, Rechtecken und Kreisen schlossen, Katzenbuckel und Suppenschüssel aneinandergereiht oder ineinander gefügt.

Die pentatonische Flöte hat auch inzwischen Einzug gehalten und hier zu Hause klettern die kleinen Finger als Zwerglein die Flöte hinauf, einige Verse kann ich ihrem Gemurmel dabei entnehmen. Der Daumen schließt das Zwergentor … 

Jeden Tag fließen auf dem Rücksitz die Lieder aus dem Unterricht vollständiger aus dem singenden Mund meiner Tochter, wenn ich sie vom Bus oder direkt von der Schule abhole.

Und über allem liegt dieser Zauber der Verwandlung vom Spielkind zum lernenden Schulkind. Sanft und liebevoll, denn der Ernst des Lebens hat an diesem Ort keinen Platz gefunden. Wohl aber die Ernsthaftigkeit und Ehrfurcht vor dem SEIN und WERDEN des Kindes.

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