Was macht mich zur Mutter?

Ei Artikel für die Blogparade von Susanne Petermann vom Stiefmutterblog.

Erst hatte ich gar keinen Schreib-Impuls, als ich die Einladung im Postfach fand. – Und das war das erste Mal, dass ich keine spontane Resonanz auf eine Einladung zum Schreiben hatte. Schreiben ist für mich so natürlich wie Zähneputzen, Essen und Schlafen.

Ich erinnere mich an einen Brief an den Bundespräsidenten vor einigen Jahren. Da hatte ich noch vier Kinder und merkte so langsam, es wird schwer, mit der aktuellen Bewegung in der Familienpolitik zurecht zu kommen. Ich fühlte, wir kommen an unsere finanziellen Grenzen und meine Arbeit als Mutter, meine Hingabe und meine Liebe zu meinen Kindern erfährt keine gesellschaftliche Anerkennung. Ich konnte es nicht mehr ertragen, von Kitaplätzen und neuen Krippen zu hören, damit ich als Mutter dem Arbeitsmarkt endlich zur Verfgüng stehen würde. Ich wollte mit meinen Kindern leben, diejenige sein, die ihnen die Tränen trocknet und das Essen kocht. Ich wollte diejenige sein, mit der sie ihre wichtigen Lebensinhalte teilen und die mit ihnen lachen und Spaß haben kann.
Finanziell wusste ich, wäre es gut, wenn ich zusätzlich auch noch arbeiten gehen würde. Aber ich fühlte mich mehr als ausgelastet. Damals dachte ich, dass das Leben mit den Kindern anstrengend sei. Doch inzwischen weiß ich, dass ich meine meiste Kraft dort verloren habe, wo ich das Gefühl hatte, mir ein Recht rauszunehmen, das in Deutschland keinen Zuspruch mehr fand. Es kostete mich sehr viel Kraft, mich bei der Stange zu halten und nicht sehr traurig zu werden, weil ich nicht sein durfte, was ich sein wollte. Ich wollte Mutter sein.

Nichts wird jemals wieder sein, wie es war!

Was macht mich also zu einer Mutter? Sicher zu allererst die Tatsache, dass ich überhaupt Kinder empfangen habe. Mutter wird man bereits bei der Zeugung. Dann habe ich die Schwangerschaften ganz unterschiedlich erlebt. Immer freute ich mich auf das Kind. Doch mein Körper funktionierte nicht mehr wie zuvor. Und das ist auch gut so, denn ich gab neuem Leben Raum. Auch hier gab es wieder einen Teil in mehr, der am Verzweifeln war, weil ich wusste, mein Körper ist eigentlich vollkommen in Ordnung und tut, was er tun muss, doch im Außen diese Idee in männlichen Köpfen, man müsse einfach alles weiter machen wie bisher, weil Schwangerschaft ja keine Krankheit sei. Nein, das ist es nicht. Aber wie absurd, zu glauben, man könne weiter machen wie bisher??
Nichts ist, wie es vorher war. Nichts wird jemals wieder so sein.

Neues Leben 

Als Mutter habe ich dieses Wunder gespürt. Etwas hat in mir Raum gefunden, das ich nicht begreifen kann. Heute noch nicht. Ich gehöre zu den Menschen, die noch sehr viel spüren können, die wissen, wenn sich ein Kind auf den Weg gemacht hat. Selbst dann, wenn ich noch nicht schwanger war. Alles in mir wurde weit und schenkte diesem neuen Leben einen Platz in dieser Welt. Eine wundervolle Erfahrung. Gleichzeitig spürte ich wie eine Art Vertrag, dass ich für dieses Wesen würde da sein wollen. Nicht nur drei oder vier Stunden am Abend. Nein, sieben Tage die Woche und 24 Stunden täglich.
Wie kommen Menschen auf die Idee, dieses Wunder könne erfahren werden und dann kann man die Frau ganz schnell wieder der männlich tickenden Welt zuführen und ihr das Kind „abnehmen“?
Ich habe absolut nichts dagegen, wenn sich Frauen wirklich so fühlen, dass sie schon recht früh nach der Geburt wieder arbeiten wollen. Doch ich finde, es lohnt, sich darüber nachzudenken, wie man später auf diese Zeit zurück schaut, auf diese wichtige und Grundstein legende Zeit für das Leben des Kindes. Wieviele Jahre leben wir im Schnitt und wie wenig Zeit sind wir bereit, davon mit unseren Kindern zu teilen?
Damals schrieb ich an den Bundespräsidenten, weil ich mir als Frau und Mutter eine Stimme geben wollte. Allerorten wurde über die Notwendigkeit gesprochen, wir bräuchten mehr Kinder, aber die, die welche bekamen, wurden mit der wirtschaftlichen Versorgung komplett allein gelassen, es sei denn, man war bereit, die Kinder weg zu geben in Fremdbetreuung.

Inzwischen habe ich sechs Kinder

… Und daran hat sich nichts geändert. Im Gegenteil. Als Mutter zu Hause zu bleiben und für die Kinder da sein zu wollen, die Arbeit und der Verzicht, den es bedeutet, der wird von den politisch Verantwortlichen als selbstverständlich hingenommen. Wir Mütter geben es ja auch von Herzen gern. Darum geht es nicht. Doch ich bin nie in den Genuß von nennenswert finanziellen staatlichen Leistungen gekommen, denn ich hatte ja nie so gearbeitet, wie es anerkannt ist. Ich war immer schon mit Kindern zu Hause gewesen, hatte kein festes Einkommen vorher gehabt, von dem ich Elterngeld hätte bekommen können. Nein, meine Leistung zählte da nicht. Mein Mann und Vater meiner Kinder musste selbst zusehen, wie er es hin bekam, dass das Geld reichte.

Heute denke ich ein bisschen anders

Inzwischen pfeif ich auf den Staat und mögliche Unterstützung. Unser Denken ist komplett anders geworden, auch das meines Mannes. Gerade im letzten Jahr, in den letzten Monaten, haben wir noch einmal eine Befreiung erfahren. Finanziell kamen wir schon lange nicht mehr auf einen grünen Zweig. Auch nicht mit zwei Vollzeitjobs. Wir haben also abgespeckt, verzichten gelernt und mit Löchern in der Kleidung unserer Kinder leben gelernt. Und es fühlt sich nicht einmal mehr besonders schlimm an. Ganz andere Dinge sind uns wichtig geworden. Wir sind inzwischen beide selbstständig und arbeiten von zu Hause aus. Wir essen mit unseren Kindern Mittag und begleiten abwechselnd Hausaufgaben und Freizeitaktivitäten. Währenddessen arbeiten wir an der Stabilisierung unseres Familieneinkommens und wir haben eine Verabredung:
Wir sind auch bereit, gemeinsam in eine kleine Wohnung zu ziehen, die fast nichts kostet und keinen Komfort bietet, wenn es uns dadurch möglich ist, frei zu bleiben von der Idee, der staatlichen Versorgung. Wir lieben unsere Freiheit, auch wenn sie relativ ist. Denn natürlich müssen wir zum Beispiel monatlich Umsatzsteuer abführen und dafür immer alle Unterlagen zusammen haben und so ein Zeugs, was man eben so tun muss in Deutschland und anderen Ortes. Doch wir können unseren Alltag selbst strukturieren und wenn wir irgendwann keinen Bock mehr hätten, auf das deutsche Schulsystem, dann würden wir auch auswandern. Uns hält nicht allzu viel mehr an bestimmte Orten. Wir sind frei geworden von der Idee, irgend etwas zu müssen.

Freiheit

In dieser Freiheit kann ich wieder Mutter sein. Und nicht nur Mutter, ich kann Mensch sein.
Als Mutter gebe ich einem neuen Leben Raum und es ist eine wundervolle Erfahrung, dies auch mit Zeugung und Schwangerschaft tun zu können. Manchmal haben Kinder keine lebenden Eltern oder die Seelen der Eltern sind so zerstört worden, dass sie nicht für die notwendige Sicherheit ihrer Kinder sorgen können. Dann kann man auch anders Mutter werden. Allerdings finde ich die Idee, Kinder aus den Familien heraus zu nehmen, und sei es nur mit dieser Wortwahl, extrem ungesund für die Seele des Kindes.

Wahl-Elternschaft

Pflege- und Adoptivelternschaft aus systemischer Sicht
Hier will ich mit meinem Blick als systemischer Coach noch einmal drauf schauen, weil es so wichtig ist für die seelische Gesundheit aller Kinder, dass wir dafür ein Bewusstsein entwickeln.
Zur Sicherheit der Kinder haben wir Jugendämter institutionalisiert und bevollmächtigt, darüber zu entscheiden, ob Kinder in familiären Zusammenhängen Gefahr droht und sie deswegen bei Pflegeeltern oder sogar Adoptiveltern aufwachsen sollten. Soweit ist es sicher sinnvoll. Nun hat sich für die Familiensysteme und deren Gesundheit eine ungünstige Wortwahl eingeschlichen.
Die Kinder werden aus ihren Familien raus genommen.
Das kann auf Dauer nicht gut gehen. Wir können den Kindern ihre Wurzeln nicht nehmen, denn dann werden sie vom natürlichen Lebensstrom abgeschnitten. Es gibt einen anderen Weg, der besser geeignet ist. Im Außen muss dafür gar nicht so viel anders laufen. Doch innerlich ist die Haltung eine vollkommen andere.
Wenn ich Familiensysteme begleite, in denen das Kind (kann auch schon erwachsen sein), keine Sicherheit und Zuwendung von den Eltern erfahren kann, ja es sogar bedroht ist, dann löse ich dies NICHT, indem ich das Kind aus dem System stelle. Das Herausstellen wird häufig praktiziert und führt leider dazu, dass die betreffenden Seelen sehr geschwächt werden. Auch, wenn sie nun keine akute Bedrohung mehr erfahren.

Die Lösung liegt wie immer IM Familiensystem und nicht außerhalb

Meine Lösung ist, die „geheilte“ und „gesunde“ Mutter- und/oder Vater-Kraft in den Rücken des Kindes IN DAS SYSTEM zu stellen und diese stellvertretenden Erwachsenen/Elternteile für die notwendige Sicherheit und Versorgung des Kindes eintreten zu lassen. Eine ähnliche Position nehmen Pflege- und Adoptiveltern idealerweise ein.  Sie sorgen IM System des anvertrauten Kindes für seine Sicherheit und achten seine Wurzeln und seine Versorgung mit Lebenskraft und wichtigen Lebensimpulsen, indem sie bereit sind, Teil dieses Systems zu werden und genau dort für das Kind zu sorgen.
Wenn es besondere Beziehungsprobleme mit Adoptiv- oder Pflegekindern gibt, lohnt es sich, hier eine systemische Lösung zu finden und diese Zusammenhänge anzuschauen. Häufig reicht eine Klärung auf dieser Basis für ein glücklicheres Zusammenleben und manchmal sogar schon, sich diese Zusammenhänge bewusst zu machen und als Lösungsmöglichkeit in Betracht zu ziehen.

Zurück zu meinem Muttersein

Ich glaube, ich könnte mehrere Bücher füllen darüber, was Muttersein für mich bedeutet. Muttersein bedeutet in diesem Zusammenhang hier, für mein Kind da zu sein, mich seiner Bedürfnisse anzunehmen und viel bewusste Lebenszeit mit ihm zu teilen. Auch als Pflegemutter würde ich mich den Belangen des Kindes in seinen Lebenszusammenhängen widmen und nicht  versuchen, es in meine einzupassen und seine Wurzeln zu verleugnen. So ist es auch mit meinen leiblichen Kindern. Es interessiert mich, wer sie sind und nicht, wie ich sie haben will. Ich will sie so, wie sie sind. Wenn wir jemanden kennen lernen wollen, müssen wir uns ihm widmen, Zeit miteinander verbringen, zuhören, und neugierig sein.

Individuelle Seelen brauchen individuelle Rahmenbedingungen

Ich bin mir darüber bewusst, dass ich meine Kinder, genau wie mich selbst, mein ganzes Leben lang immer tiefer kennen lernen werde und ich bemühe mich darum, sie möglichst wenig zu formen und wie ein Stück Knete zu betrachten … Eine Rose wird niemals ein Apfelbaum werden. Wenn wir ein Kind empfangen oder für ein Pflegekind da sein wollen, müssen wir uns darüber klar werden, dass wir nur wenig oder fast gar nichts über den Seelen-Samen wissen. Es bleibt uns also nichts anderes übrig, als genau hinzuschauen und zu beobachten, was diese Seelenpflanze am besten in ihrem Wachstum unterstützt.
Muttersein bedeutet für mich auch, diesen individuellen Rahmen für meine Kinder zu schaffen, und mich nicht von Schulsystem und gesellschaftlichen Zwängen beeindrucken zu lassen und mein inneres Wissen oder meine Beobachtungen zu leugnen. Meine Kinder sind es wert, ein Leben im Einklang mit ihrer Seele zu führen. Und ich bin es auch wert❤️
Du übrigens auch, lieber Leser 😉

 

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